Wielandsweiler, Gemeinde Tettnang


 

Geschichte von Oberlangnau

mit den dazugehörigen Weilern


Das Dorf 10,4 km südöstlich von Tettnang, 450 rn über N.N., Gemeinde III. Klasse mit 6 Gemeinderäten, 796 Einwohner (785 kath., 11 ev.),Telegraphenhilfsstelle. Markung 1173 ha,.145 Wohnhäuser.

Die Gemeinde Langnau setzt sich aus 19 Parzellen zusammen. Die Lage ist, entsprechend der auf dem rechten Argenufer sich ausdehnenden Gemeinde Flunau, auf dem linken Ufer des hier ziemlich starken Stromes eine der romantischsten des gesamten Bezirks. Berg und Tal, Fluß und Seen, Wald und Feld, Obstgärten und Hopfenanlagen wechseln miteinander ab. Besonders reizend ist der Aufstieg von Langnau nach Hiltensweiler, das auf einmal aus einer schmalen Waldlichtung mit dem altersgrauen Turm und der Kirche auf befestigtem Hügel hervortritt. Ferner die Partien um den Muttelsee und den großen Degersee mit dem Blick auf das Hochgebirge, sowie der Kapf mit der Ruine Altsummerau. Das Dorf Langnau gruppiert sich zwanglos um die Reste des ehemaligen Paulinereremitenklosters Langnau, die trauernd in der Talbuchtung auf mäßiger Erhebung in ziemlich verwahrlostem Zustande sich darstellen. Es sind zwei Flügel des ehemaligen, eigentlichen Klostergebäudes. Im Innern findet man noch Spuren ehemaliger Stuckierung und Bemalung. Der Nordflügel und ein Teil des Ostflügels, sowie der Südflügel wurden 1794 abgebrochen. Den Nordflügel bildete die Klosterkirche mit dem "sacellum", der Grablege der Montfort und derer von Reitnau. Die Einrichtung der Kirche und des Klosters wurde bei der Aufhebung des Klosters 1786 und1787 und bei der Aufgabe als Pfarrkirche 1793 zum Teil verkauft und verschleudert, zum Teil den Pfarrkirchen in Hiltensweiler und anderen überlassen. Abseits von den Klostergebäuden sind die ehemaligen, jetzt teilweise erneuerten Ökonomiegebäude, dabei eine Wirtschaft. Unweit vom Klosterbezirk führt die Straße durch eine Waldschlucht hinauf zum alten Pfarrsitz Hiltensweiler. Wie eine Burg thront über der Schlucht der ummauerte Friedhof mit der alten Pfarrkirche auf gerundetem Hügel

Die Pfarrkirche ist dem hl. Dionysius Areopagita geweiht und in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert. An das ursprünglich romanische Langhaus (das früher ein Tonnengewölbe hatte, wie die Spuren an der Westwand und ob dem Chorbogen andeuten) schließt sich ein zierlicher spätgotischer Chor von 1515 mit reichem Netzgewölbe, aus runden Wanddiensten aufsteigend, die zum Teil mit zierlichen Sockeln bis zum Boden laufen, zum Teil in halber Höhe auf Konsolen aufsitzen. Es finden sich sogenannte Meisterzeichen. Wer aber der Meister dieses Werks, das im ganzen Bezirk einzigartig dasteht, ist , wurde bis jetzt nicht gefunden. Der Chor hat Maßwerkfenster und reich umstabte Türen in die Sakristei und die Arnoldskapelle. In letzterer befindet sich nach Westen eine ebenfalls reiche spätgotische Stabwerktüre. Diese Arnoldskapelle selbst, mit Kreuznahtgewölben, tiefer als der Chor gelegen, scheint von einem älteren Bauwerk herzustammen und birgt jetzt die Gebeine der Montfort, die von Langnau übertragen wurden. Außerdem befinden sich darin in einem neueren Reliquienschrein die Überreste des seligen Ritters Arnold von Hiltensweiler, ein Altar mit den neuen Statuen des seligen Ritters und des hl. Einsiedlers Paulus, des Ordensheiligen von Langnau, sowie ein Epitaphium des Geschichtsschreibers von Langnau und Hiltensweiler, des von Wielandsweiler gebürtigen langjährigen Dekans, Oberkirchenrats und Prälaten Gebhard Schneider (geboren 27. August 1826, gest. 1909 in Stuttgart), der an der Westfront der Kirche begraben ist. An der Nordseite des Chors steht der alte starke Turm mit gewalmtem Satteldach. Das Untergeschoß mit Rippenkreuzgewölbe dient als Sakristei und hat einen originellen Ankleidetisch und -schrank. Die Einrichtung der Kirche wurde mit derselben 1874/84 modern gotisiert. Doch befindet sich noch ein prächtiger Rokoko- Beichtstuhl im Chor, und im Schiff: findet sich auf der Nordseite die ganz originelle spätgotische Steinkanzel, aus zwei Steinen gehauen, mit monfortischem und öttingenschem Wappen, was auf die Zeit der Erstellung hindeutet und beweist, daß die Stifter die gleichen sind, wie bei der Annakapelle in Tettnang, wodurch zugleich ein Schluß gezogen werden darf auf den Baumeister. St. Anna, der Chor der Dionysiuskirche und die Kanzel sind von dem gleichen Steinmetzen gebaut. Ein großer Schatz der Kirche ist ein Meistergemälde, die Grablegung Christi von Camillo Proccacini (1510-1590), das an der Nordwand in reich geschnitztem Rahmen, aber leider nachgedunkelt und erneuerungsbedürftig, hängt. Dieses Bild stammt von dem bekannten Salzburger Erzbischof Wolfgang Dietrich von Reitnau (1587-1617, 1610 zur Resignation gezwungen), der es in das "sacellum" zu Langnau, "suae familiae mausoleum", gestiftet hatte. An der Südwand steht eine großartige, neu gefaßte Madonnenstatue aus guter Zeit. Im Kirchenschatz befinden sich ein spätgotisches Prozessionskreuz, einige Kelche Augsburger Arbeit, ebensolche Monstranz, eine Renaissancebronze-Ewiglicht-Lampe. Ein Kelch hat im Fuß eine bemerkenswerte, gravierte Widmungsplatte mit Doppelwappen. Auf dem stimmungsvollen Friedhof um die Kirche noch etliche alte Eisenkreuze. Die Glocken sind zum Teil von 1863 (Zoller, Biberach), eine ist 1622 von Joh. Bapt. Ernst in Lindau gegossen, eine von Georg Christoph Schmelz in Biberach.
Umweit der Kirche steht das 1863 erbaute Schulhaus; etwas tiefer unter dem Kirchhügel das bescheidene Pfarrhaus, das einige bemerkenswerte Stücke vom Kloster Langnau birgt: eine reich geschnitzte Tür mit Türgestell Rokoko, ein großes Tafelbild mit Kloster und Stifter, ein Bild Josephs II., der das Kloster aufhob. Im Privatbesitz ist noch ein Bild von einem früheren Seitenaltar der Pfarrkirche, in letzterer an der Südwand des Chors ein Votivbild einer Lindauer (Ravensburger) Familie Zinstag. Die Gemeinde entspricht in ihrer Zusammensetzung dem alten Niedergerichtsbezirk Langnau, nur daß im Jahr 1828 das früher zum montfortischen Landwaibelamt und infolgedessen zur Gemeinde Tannau gehörige Rattenweiler beigefügt wurde. Sie besteht aus folgenden Parzellen

Langnau (Ober-).:Dorf, 147 E. (1122 Langenova superior). Seit Beginn des 12. Jahrhunderts sehen wir das Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen in Beziehungen zu unserer Gegend. Es hatte schon in mehreren Orten der Umgebung Besitz erhalten, als sich im Jahr 1122 der Ritter Arnold von Hiltensweiler und seine Gemahlin Junzila entschlossen, dem Kloster die Mittel für eine neue Niederlassung zu gewähren. Sie stifteten dazu ihren ganzen, in der Hauptsache altererbten Besitz zu Hiltensweiler, Esseratsweiler, Bleichnau, Ober- und Unterlangnau, Rappertsweiler und Wielandsweiler, Echetweiler und Steinenbach, während das Kloster selbst die früheren Erwerbungen in der Umgebung, im Russenried, Steinenbach, Rudenweiler, Dentenweiler, auch ein Fuder Wein für jedes Jahr aus seinen Weingärten zu Mayenfeld beisteuerte.
Mit diesen Gütern wurde eine dem Kloster Schaffhausen unterworfene Zelle gegründet, und zwar zunächst in Hiltensweiler selbst, wo auch Arnold seine Grabstätte fand. Ein päpstlicher Schutzbrief vom Jahr 1179 bestätigt dem Abt von Schaffhausen das Recht, in den zum Kloster gehörigen Zellen, so auch in Hiltensweiler, frei zu schalten und zu walten; man möchte daraus auf entgegengesetzte Bestrebungen, etwa seitens der Insassen der Zelle selbst oder von weltlicher Seite, schließen.
Erst etwa um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert, jedenfalls zwischen 1179 und 1242, wurde die Zelle Hiltensweiler durch das Kloster Langnau ersetzt. Über die Art und die Gründe dieser Verlegung erfahren wir nichts, wie wir überhaupt über die ältere Geschichte des Klosters nur mangelhaft unterrichtet sind.
Auch an seinem neuen Ort blieb das Kloster abhängig vom Abt von Schaffhausen, wenn auch wohl allmählich in milderer Form. An der Spitze stand ein Propst, der wohl vom Abt von Schaffhausen bestellt wurde. Die Vogtei über dem Kloster war bei der Gründung dem Herzog Heinrich (dem Schwarzen) und seinem Sohn Heinrich übertragen worden, war dann aber wohl mit anderem Welfengut durch Welf VI. an das staufische Haus gekommen und von den Staufen an die Summerau verliehen worden. Um 1270
 kauft sie Bischof Eberhard II. von Konstanz um 40 Mark Silber von einem Reichsministerialen (Summerau) und König Albrecht bestätigte 1298 nachträglich diese Erwerbung. 1301 war sie mit der Burg Summerau an Konrad Fürst von Konzenberg verpfändet, und es ist wahrscheinlich, daß sie mit dieser Burg vor 1309 an die Grafen von Montfort überging, obwohl sie erst 1354 ausdrücklich in deren Besitz genannt wird.
In diesen Verhältnissen trat gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine unerwartete Änderung ein. Das Kloster hatte in dem Propst Konrad Bok einen sehr schlechten Verwalter, der lange Zeit über seine Einnahmen und Ausgaben keine Rechnung ablegte und dabei das Kloster mit verderblichen Schulden belastete, "die unredlich wären und an denen das Kloster verderben müßte". Bok mußte 1388 auf' die Propstei verzichten und trat in das Kloster Schatffhausen zurück. Der Zustand des Klosters war indes derart, daß ein Weiterbestand nicht mehr möglich erschien, und so entschloß sich das Kloster Schaffhausen im Januar 1389, alle seine Rechte an Langnau dem Vogt, dem Grafen Heinrich von Montfort, zu übergeben, sich selbst aber durch den Langnauer Besitz in Frickingen und Heimatweiler schadlos zu halten.
An den Grafen ging der Besitz beim Kloster selbst, weiter die Pfarrkirche zu Hiltensweiler, Besitz zu Unterlangnau, Wolfertsweiler, Wolfratz, Muttelsee, Echetweiler, Rudenweiler, Saßenweiler, Hengnau, Staufen, Esseratsweiler, Dentenweiler, Russenried, Rappertsweiler, Steinenbach, Bernried und Degersee, weiter aber auch zu Engelitz, Sibratshaus, Walchesreute, Wellmutsweiler, Notzenhaus, Mehetsweiler,
 W i e 1 a n d s w e i 1 e r, Bleichnau, Rhein, Kernaten, Baldrings, Umgangs, Baldensweiler und Wagenbach, dazu Chafte, Zwing und Bann, Gericht und andere Rechte. Man sieht daraus, daß sich der Besitz des Klosters seit seiner Gründung beträchtlich vermehrt hatte, wohl hauptsächlich in der auf die Gründung unmittelbar folgenden Zeit, in den meisten Fällen ohne daß wir etwas über die Art des Erwerbes erfahren. Einen Hof in Krumbach hatte das Kloster 1284 verkauft.
Bei der Übergabe an Montfort war über das weitere Schicksal des Klosters nichts bestimmt worden, als daß die Grafen es so verwalten sollten, "als sie dem allmächtigen Gott an dem jüngsten Tage darum
antworten wollen". Es findet sich keine Spur davon, daß die Grafen etwa versucht hätten, die Beute für sich zu behalten. Vielmehr übergab am 24. April 1405 Graf Heinrich mit seinen Söhnen Rudolf und Wilhelm das Unserer lieben Frau geweihte Gotteshaus Langnau mit der Pfarrkirche in Hiltensweiler und allem Besitz dem Orden St. Pauls des ersten Einsiedlers, der nach Augustinerregel lebte und schon vorher in Argenhardt eine Niederlassung hatte; wie es scheint, hatte der Graf sogleich nach dem
Abzug der Benediktiner Brüder vom Argenhardt eingesetzt. Die neuen Insassen versprachen, keinen anderen Schirm anzunehmen als jene Grafen, Vogtsteuer und Dienste von des Klosters Leuten und Gericht über Frevel und Schulden zu gestatten, alle Sonntage vor dem Läuten der Grafen zu gedenken und ihnen in der ersten Adventswoche eine Jahrzeit zu halten. Vom Orden sollten 5 Brüder, und zwar Priester im Kloster sein. Am 6. Mai 1407 bestätigte Propst Ulrich von Konstanz, im päpstlichen Auftrag die Übertragung des Klosters an seine neuen Besitzer.
Seit der Übertragung des Klosters auf die Pauliner fließen unsere Quellen reicher; aber wie das so gewöhnlich ist, erzählen sie uns sehr viel über die äußeren Verhältnisse, Streitigkeiten mit Vögten, Nachbarn und Hintersassen, aber so gut wie nichts über das Innenleben des Klosters.
An der Spitze der "Gotteshauses U. l. Frau zu Langnau St. Pauls des ersten Einsiedlers St. Augustins Ordens" stand der Prior. Seine Wahl soll, nach einem Vertrag von 1610, mit Vorwissen des Kastenvogts, vom Provinzial, den übrigen Prioren und den Brüdern des Klosters selbst vorgenommen und der Erwähllte dem Grafen präsentiert werden:  ist er tauglich befunden, will ihn der Graf dulden und bestätigen; wenn nicht, ist ein anderer zu wählen. Beim ganzen Akt sollen Ordensleute fremder Provinz ausgeschlossen sein. Wer gewählt und investiert ist, darf weder vom Provinzial noch vom Provinzialkapitel ohne Wissen des Vogts beseitigt werden. Nach einem späteren Vertrag von 1729 sollen Provinzial oder Definitor den Gewählten dem Grafen persönlich vorstellen und wegen der weltlichen Administration um Bestätigung bitten, dabei verzichtet der Graf jetzt auf das, schon 1521 als althergebracht beanspruchte Recht nach dem Tod eines Priors Schlüssel und Siegel in Verwahrung zu nehmen sowie auf das Recht, die Interimsverwaltung zu führen, der Wahl beizuwohnen und die Vota zu kolligieren.- Zitationen zu Provinzialkapiteln sollten (1610) an den Grafen, mit Angabe des Verhandlungsgegenstandes, gerichtet werden.
Die Zahl der Mönche war wohl immer klein. Nach einem päpstlichen Schreiben von 1406 waren es etwa 6; 1750 13 Patres, 5 Professen, 1 Laienbruder. Bei der Neuwahl des Priors von 1521 wird von Gräfin Magdalene mahnend gefordert, daß der neue Prior die Brüder in rechter Ordnung halte, daß sie nicht mehr wie bisher unordentlich aus dem Gotteshaus laufen, daß sie mit Singen und Lesen und auch im Zeitlichen rechte Ordnung halten. Nach einem Katalog von 1786 war eine ansehnliche Bibliothek vorhanden. Von eigenen wissenschaftlichen Leistungen der Mönche ist aber nichts bekannt.
Seit der Übergabe an die Pauliner war L. die Begräbnisstätte der Grafen von Montfort; als erster wurde der neue Begründer, Graf Heinrich darin begraben.
Im Bauernkrieg wurde das Kloster zweimal, am 24. Februar und am 14. Mai 1525, von den Bauern geplündert. Die Pauliner wurden von Hugo von Tettnang aufgenommen, während im Kloster zeitweise die Räte der Bauern
tagten. Noch schlimmer wurde das Kloster im Dreißigjährigen Krieg betroffen. Nachdem es von Anfang an den schweren Schäden des Kriegs vollen Anteil genommen hatte, wurde es im Februar 1647 beim Abzug der Schweden von Lindau samt der Kirche in die Asche gelegt, erstand aber wohl bald wieder von neuem. Unter dem Prior Rudolf Servilian Weixler (1648-1663) wurde es "in eine bequemere Form umgebaut".
 

Zusammengetragen aus alten Quellen


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Letzte Aktualisierung: 10.05.2014